„Vigilanz ist die Erweiterung meines Bewusstseins für Sicherheit“. 10 Fragen an Laure Sigalla

In unserer Enthüllungs-Serie VIGILEAKS stellen wir die Mitarbeitenden des SFB “Vigilanzkulturen” in 10 Fragen vor. Dieses Mal steht uns Laure Sigalla, Forschungsdatenmanagerin des SFB, Rede und Antwort.
1. Wie bist du zum SFB gekommen?
Ich habe mitbekommen, dass ein:e Mitarbeiter:in für die Forschungsdatenmanagement-Stelle im SFB gesucht wurde. Am Anfang habe ich daran gezweifelt, ob ich für die Stelle genug Qualifikationen habe. Ich habe mich aber in das Thema eingearbeitet und es interessant gefunden. Dann habe ich mich beworben! Und jetzt bin ich hier.
2. Wo soll die (akademische) Reise hingehen?
Das hängt davon ab, ob ich nach der Promotion in Bayerischer Geschichte, die ich neben meiner Stelle verfolge, weiterhin im Bereich Forschungsdatenmanagement arbeiten möchte. Mal sehen, was wird!
3. Wie würdest du deine bisherige Zeit im SFB zusammenfassen?
Viel gelernt, viel geschafft, viele interessante Leute kennengelernt. Am Anfang habe ich geglaubt, dass es vor allem darum gehen würde, inhaltlich viel über Forschungsdatenmanagement zu lernen, um meine Stelle gut beherrschen zu können. Tatsächlich ging es viel mehr darum, mit Leuten richtig umzugehen, um Neuigkeiten, wie z.B. das Ausfüllen eines Datenmanagementplans für jedes Teilprojekt, erfolgreich zu implementieren. Ich habe diese Herausforderung nicht erwartet; nichtsdestotrotz glaube ich, dass ich diese angenommen habe. Die Zusammenarbeit mit vielen Mitarbeiter:innen, die alle sehr unterschiedlich sind und unterschiedliche Forschungsthemen haben, macht mir Spaß und es gefällt mir, sie zu unterstützen. Die bestmögliche Lösung und Implementierungen für Probleme zu finden, finde ich interessant und stimulierend.Insgesamt eine schöne Zeit!
4. Was macht dir besonders Spaß am wissenschaftlichen Arbeiten? Was gefällt dir gar nicht?
Was mir an meiner Stelle Spaß macht, ist, dass ich sehr autonom entscheiden kann, wie Forschungsdatenmanagement am besten im SFB stattfinden sollte. Weil Forschungsdatenmanagement noch ein relativ neues Feld ist, gibt es viel Spielraum, wie man es für einen SFB gestalten kann. Mit meiner Arbeit im SFB hoffe ich, ein Vorbild für zukünftige geisteswissenschaftliche SFBs zu sein.Mir gefällt auch die Zusammenarbeit mit Menschen und die Vielfalt meiner Aufgaben. Jeder Tag ist anders. An sich gibt es nichts, was mir nicht gefällt. Es gibt zwar Tage, an denen man weniger motiviert ist, aber das ist ja normal.

5. Welches ist dein Lieblingszitat und warum?
“…Those who choose the lesser evil forget very quickly that they chose evil.”
— Hannah Arendt
Generell bin ich ein großer Fan von Hannah Arendt. Dieses Zitat beschreibt meiner Meinung nach ein wesentliches Merkmal der menschlichen Natur. Arendts Werke sollten einen immer dazu bringen, die eigenen Motivationen und Taten infrage zu stellen.
6. Was interessiert dich am meisten am wissenschaftlichen Konzept der „Vigilanz“?
Spannend finde ich, wie vielfältig das Konzept ist. Sobald man sich mit der Definition und dem dahinterliegenden Konzept vertraut gemacht hat, kann man überall Vigilanz beobachten und als solche erkennen. Das wissenschaftliche Konzept der Vigilanz gibt mir also eine neue Perspektive auf meine Umwelt.
7. Bist du selbst ein wachsamer Mensch? Wenn ja, warum? Wenn nein, warum nicht?
Ich würde sagen, dass ich ziemlich wachsam bin – das erachte ich als einen Teil meiner Persönlichkeit. Ich mag es, auf Vieles vorbereitet zu sein. Zum Beispiel habe ich in meiner Küche einen Feuerlöscher, was von Besuchern immer als ungewöhnlich angemerkt wird, obwohl das Objekt günstig und gegebenenfalls sehr nützlich sein kann. Bücher und Filme über Katastrophen interessieren mich auch sehr und ich mache mir immer Gedanken dazu, wie ich aus einer schwierigen Situation herauskommen könnte. Beeinflussend war für mich das Buch The Gift of Fear von Gavin de Becker, einem Sicherheitsexperten, das ich mit 18 gelesen habe. Zum ersten Mal habe ich daran gedacht, dass Sicherheit eine Expertise ist, und dass man auch im Alltag einfache Maßnahmen zur Steigerung der eigenen Sicherheit ergreifen kann. Dabei hat es mir geholfen, Sicherheit pragmatisch zu betrachten und nicht paranoid zu werden, als ich angefangen habe, allein zu leben und meinen Weg ins Leben finden zu müssen. Vigilanz ist also die Erweiterung meines Bewusstseins für Sicherheit.
8. Wann erregen Menschen oder Dinge deine Aufmerksamkeit?
Ich bin grundsätzlich aufmerksam und interessiere mich dafür, was um mich passiert. Unübliche Verhaltensweisen erregen auf besondere Weise meine Aufmerksamkeit, vor allem in der Öffentlichkeit. Ich glaube aber auch fest daran, dass man auf sein Bauchgefühl vertrauen sollte. Daher braucht man nicht konstant bewusst vigilant sein; meine Intuition ist im Hintergrund immer vigilant und ich kann mich darauf verlassen.
9. Wie wirst du morgens am besten wach?
Tageslicht hilft am besten, aber weil ich kein Morgenmensch bin, bin ich morgens in der Regel nicht sehr wach(sam).
10. Verändert deine Forschung im Vigilanz-SFB deinen Blick auf den Alltag?
Der Kontakt mit der Vigilanzforschung des SFBs hat meinen Blick auf den Alltag definitiv beeinflusst. Ich mache mir mehr Gedanken darüber, wie unsere Gesellschaft Wachsamkeit systematisch organisiert, ausübt und ob und wie man das hinterfragen sollte.
OpenEdition schlägt Ihnen vor, diesen Beitrag wie folgt zu zitieren:
Blogredaktion (2. Dezember 2025). „Vigilanz ist die Erweiterung meines Bewusstseins für Sicherheit“. 10 Fragen an Laure Sigalla. Vigilanzkulturen. Abgerufen am 7. August 2026 von https://doi.org/10.58079/159ae
